Winzerer Lesetipps - für Sie gelesen:

Überbordendes

von Petra Schenk

Oswald Egger: Val di Non

Der Träger des Georg-Trakl-Preis für Lyrik 2017 ist Oswald Egger. Er stammt aus Südtirol und hat seinen jüngsten Gedichtband mit einem eher weniger bekannten Seitental betitelt: "Val di Non". Egger besingt Landschaft und Natur,  Berg und Gestein. Er verflicht Miniaturen von Impressionen mit Beschreibungen von Felsstrukturen und -formen. Aus Fundstücken vom Wegesrand entstehen Assoziationsschleifen über das Unterwegssein.

Es sind Gedichte über das Schlendern und Schauen mit größter Lust an Sprachfindungen und Wortwendungen - manch eine Formulierung könnte Dialekt oder aus einer Fachterminologie sein. Dazwischen wildspriessende Eigenschöpfungen und Klangmalerei. Hochmusikalisch und ein Augenschmaus: Jede Seite ist vom Autor mit eigenen Zeichnungen gestaltet, welche die Themen der Gedichte aufgreifen - zarte Gespinste und anspielungszeiche Motive. Manche erinnern an die Radiolarien von Ernst Haeckel, andere an das Naturalienkabinett von Albertus Seba.

Ein Buch, um darin wieder und wieder spazieren zu gehen!


ISBN 978-3-51842582-4 | 28 €

Spannendes Debüt aus Finnland

von Birgit Beutler

Minna Rytisalo: Lempi

" Eine tragische Geschichte, mitreißend, emotional dicht und mit poetischer Kraft..."

So heißt es auf dem Klappentext, und ich finde, das trifft es ziemlich gut!

Lempi, das heißt Liebe auf finnisch und Lempi, so heißt die rätselhafte junge Frau im Zentrum diese besonderen Romans aus dem hohen Norden.

Wer ist oder wer war Lempi? Lempi ist verschwunden und taucht auch nicht auf, sie selbst kommt nicht einmal zu Wort und zieht doch den Leser sofort in ihren Bann. Lempis Geschichte erfahren wir nur durch dritte, drei mal aus drei sehr unterschiedlichen Perspektiven.

Zunächst aus der Sicht des liebenden Ehemanns VIljami, der Kriegsheimkehrer, der sich verzweifelt an das kurze Glück ihrer gemeinsamen Liebe klammert. Dann berichtet Elli, die zutiefst eifersüchtige in ihrem Hass gefangene Magd ihre  verstörende Version, ihre ganz andere Wirklichkeit. Und im dritten Teil des Buches erzählt Lempis Zwillingsschwester Sisko von der immer schon bewunderten stärkeren Schwester, deren Kraft und Nähe sie schmerzlich vermisst.

Vor dem Hintergrund des Lapplandkrieges entsteht einfühlsam und spannend ein immer dichter werdendes Gewebe, ein Gesamtbild, eine vielschichtige Antwort auf die anfängliche Frage wer sie ist oder war diese faszinierende Frau mit diesem besonderen Namen.

Eine Entdeckung!


ISBN 978-3-446-26004-7 | € 21.-

Zupackendes

von Ulrike Budde

Was tun ? Demokratie versteht sich nicht von selbst.

Im Handtaschenformat, leicht und klar, prägnant und vielfältig - eine Liebeserklärung an die Demokratie. Fünf Journalistinnen gehen auf Fragen und Unsicherheiten ein: Welche Wahrheiten sind noch wahr? Wer lügt, wer spricht ehrlich? Worum geht es zur Zeit? Um uns? Um die anderen? Und wieso immer wir? Wieso wollen wir eigentlich immer etwas tun? Wir haben doch schon so viel um die Ohren.

Einigeln, Wegducken bringt gar nichts - das ist das Credo der Autorinnen. Demokratie ist kein Selbstläufer, war sie nie und wird sie auch nie sein. Gerade jetzt braucht sie dringend frischen Wind unter den Flügeln. Das bedeutet auch: Miteinander sprechen über Probleme, die es - reichlich - gibt, über ungelöste Konflikte, über Schwieriges wie beispielsweise die Verteilung der Wohltaten aus den Steuereinnahmen des Staats.

Das Buch zeigt auf, wie bereichernd und wie vielfältig Engagement sein kann. Die Autorinnen machen Vorschläge und berichten über Möglichkeiten, selbst aktiv zu werden. Sie informieren über Fake News, wie sie eingesetzt werden, um Demokratien zu schwächen und was man dagegen tun kann. Sie versuchen, Gründe für das große Misstrauen gegenüber Medien und staatlichen Institutionen zu bennen. Und sie verschwiegen nicht, dass man in all dem Hin und Her der Politik auch mal eine Pause braucht, etwas Abstand und gelegentlich Rückzug.

Die Artikel sind lebendig geschrieben, zupackend, direkt und sprechen die Leser/-innen an. Am Schluss des Buches gibt es eine überschaubare und gut ausgewählte Zusammenstellung von Material, mit dem jede/-r selbst weiterkommen kann.

Die Autorinnen sind: Gabriele von Arnim (arbeitet für Fernsehen, Radio, Printmedien), Christiane Grefe (Redaktuerin und Reporterin für Süddeutsche Zeitung und Die Zeit), Susanne Mayer (Kulturreporterin und Autorin für Die Zeit und Zeit online), Evelyn Roll (Süddeutsche Zeitung), Elke Schmitter (Der Spiegel, Süddeutsche Zeitung, taz u.a.)

Die Erlöse aus dem Verkauf des Buches gehen an Reporter ohne Grenzen.


ISBN 978-3-95614-210-9 | € 10,-

Verspieltes

von Michaela Oeller

Kobi Yamada, Mae Bosom (Illustration): Was macht man mit einer Idee ?

Ein Kind bekommt eine Idee als Wegbegleiter. Die Idee wächst und mit ihr das Selbstbewusstsein des Kindes.

Leicht, phantasievoll sowie spielerisch erzählt die Kindergeschichte wie diese Idee sich verändert und damit die eigenene Wahrnehmung und das Handeln beeinflusst. in der Erzählung wird der Leser durch verschiedene Entwicklungsstufen der Idee, wie Zweifel, Motivation, Selbstkritik bis hin zur Ichstärkung geführt. Nicht zuletzt hin zu der Möglichkeit durch eine Idee die ganze Welt zu verändern.

Sowohl Kindern als auch Erwachsene, oder gemeinsam im Dialog gibt das Buch genügend Spielraum zum Nachdenken und Kreieren eigener Ideen.

Begleitet wird der Text durch kindgerechte, einfach, jedoch ausdrucksstarke Illustration, die sich im Laufe der Geschichte, wie auch die Idee verändert.


ISBN:978-3-942491-96-9 | 12,95 €

Aufwühlendes

von Helena Dechentreiter

Lea-Lina Oppermann: Was wir dachten, was wir taten

Man geht in die Schule, gestresst, übermüdet. Setzt sich auf seinen Sitzplatz und hat eventuell sogar noch vergessen für die Klausur zu lernen. Aber wenn dann ein Alarm durch die Lautsprecher ertönt und es ist eindeutig nicht der Feueralarm, bist du hellwach. Die Klausurenblätter segeln durch die Luft auf den Tisch deines vor Angst schwitzenden Lehrers, denn auch der weiß nicht wie er mit einem Amoklauf umgehen soll. Ein paar Stunden später siehst du jeden einzelnen Menschen im Raum mit anderen Augen, hast andere Gedankengänge. Selbst der Geruch einer Dönerbude lässt dich zittern, aufgrund der Tatsache, dass Fleisch nicht nur des Verzehrs wegen verbrannt wird.

Lea-Lina Oppermann beschreibt aus der Sicht der Schüler und eines Lehrers, wie nur einige unfreundliche, abweisende Worte reichen können, um einen Menschen in ein Desaster zu reißen. Spannend, mit einem Hauch von Unzufriedenheit über unsere Gesellschaft!


978-3-407-82298-7 | 12,95 €

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