
Wolfgang Büscher ist durch die Mitte Amerikas gelaufen, 3.500 Kilometer von der Nordgrenze bis Mexiko. Wie in seinem ersten Buch "Von Berlin nach Moskau", fügt Büscher sein historisches Wissen in seinen Reisebericht ein, nüchtern, sprachlich brillant, abenteuerlustig und mit kluger Beschränkung auf das Wesentliche. Selten habe ich in einem Buch soviel über indianisches und amerikanisches Leben erfahren.
Wenige werden diese Reise wiederholen, nachlesen aber sollten es alle, die Amerika im Sinn haben.


Farbenfroh und sinnenfreudig wirkt Costa Rica: Ein alternder, gemütskranker Mann und ein einäugiges Kind finden Aufnahme in einem Bordell. Die Frauen dort sind anteilnehmende Beobachterinen einer sehr eigenwiligen Freundschaft. Der Mann war Mönch, sein Weltwissen speist sich aus jesuitischer Gelehrsamkeit - allerdings ohne neuzeitliche Bildung. Das Kind lernt früh fliessend Latein und Griechisch zu sprechen - nur: was hilft ihm das, als er alt genug ist, die Stadt kennen zu lernen?
Ein buntes Buch ist das, innen wie aussen. Warm und wunderbar kauzig. Vollendeter magischer Realismus, wie ihn nur lateinamerikanische Autoren so kunstvoll und zugleich lebensprall hinbekommen!


Ein Mord geschieht. Jahrzehnte später nimmt die Schwester der Mit-Täterin mit der Tochter des Mordopfers Kontakt auf. Aus ihren Gesprächen und Briefen entstand dieses Buch. Der Mord ist keine Fiktion, er war bundesrepublikanische Wirklichkeit. Jürgen Ponto, Leiter der Dresdner Bank, Vater von Corinna, wurde 1977 von einem Killerkommando der RAF getötet. Die drei Täter, u.a. Susanne Albrecht, Schwester von Julia, wurden zwar gefasst und verurteilt, die Hintergründe der Tat - nach Meinung Frau Pontos - jedoch bis heute nicht ausreichend aufgeklärt.
Es gibt unzählige Sachbücher über die RAF. Dieses Buch ist anders, weil es aus sehr privater Sicht geschrieben ist. Die Familien Ponto und Albrecht waren über lange Jahre befreundet, die Väter gegenseitig Paten der Töchter. Das machte die Tat noch ungeheuerlicher. Es gab direkt nach dem Mord eine kurze persönliche Begegnung, danach einen knappen Briefwechsel, danach brach die Witwe Jürgen Pontos alle Kontakte zur Familie Albrecht ab.
Nun gehen die Töchter vorsichtig aufeinander zu, versuchen Verständnis für die Gefühle und Verletzungen der anderen aufzubringen. Das gelingt nicht immer - zu groß ist die Verbitterung bei Corinna Ponto, zu stark , trotz allem, die Liebe zur Schwester bei Julia Albrecht. Aber sie respektieren sich und ihre jeweilige Sicht auf die Geschehnisse. "Wir werden uns nicht befreunden" sagt eine der beiden gegen Ende des Buches. Aber sie achten sich. Das ist nicht wenig. Lesenswerte Zeitgeschichte!


Auch wenn der Titel auf den ersten Blick nicht unbedingt in die Jahreszeit passt - dieses Buch hat mir so gefallen, dass ich mit meiner Empfehlung nicht auf den nächsten Winter warten möchte...
Es geht um Sehnsucht, es geht um Heimat. Heimat als Kürzel für Orientierungssicherheit. Heimat vielleicht sogar im Sehnsuchtsort? Was passiert, wenn man sich entschliesst aus seinem Sehnsuchtsort, dem Ferienparadies den Wohnort zu machen? Angelika Overath zieht mit ihrer Familie von Tübingen nach Sent im Unterengadin. Seit vielen Jahren verbringt sie hier ihren Urlaub, irgendwann bot sich die Gelegenheit die Ferienwohnung, nein sogar das ganze alte Bauernhaus zu kaufen. Die Sehnsucht wächst und endet im Versuch aus dem Traum Realität werden zu lassen.
Sechs Monate Schnee im Jahr, eine neue (aussterbende) Sprache, der Sohn geht mit den Einheimischen in die Schule, häufige beschwerliche Reisen, um weiter arbeiten zu können. Vieles ist mühsam, zeitaufwändig und neu.
Tagebuchartig erleben wir mit, wie sich Wahrnehmung und Lebensweise ändern - ruhig und klar beobachtet und beschreibt die Autorin die Möglichkeit der Verwirklichung eines Lebenstraumes: Ein Stückweit Heimat ist möglich auch als Fremde in den Schweizer Bergen.


Roadmovie, Kriminalgeschichte, Zeitgeschichte - all das vereint Jonasson gekonnt und mit einem Augenzwinkern. Er schickt den Leser auf eine abenteuerlich Reise, die nichts Anderes ist als das Leben des Protagonisten Allan. Mit viel Charme, Witz, Gewitztheit und Kreativität meistert dieser die skurrilsten Situationen.
Ein aberwitziger Roman, der trotz oder gerade dank dieses Aberwitzes voller Spannung und, ja, sogar Lebensfreude steckt. Ein absolut überzeugendes Leseerlebnis für diesen Herbst.

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