Winzerer Lesetipps - für Sie gelesen:

von Petra Schenk

Oswald Egger: Val di Non

Der Träger des Georg-Trakl-Preis für Lyrik 2017 ist Oswald Egger. Er stammt aus Südtirol und hat seinen jüngsten Gedichtband mit einem eher weniger bekannten Seitental betitelt: "Val di Non". Egger besingt Landschaft und Natur,  Berg und Gestein. Er verflicht Miniaturen von Impressionen mit Beschreibungen von Felsstrukturen und -formen. Aus Fundstücken vom Wegesrand entstehen Assoziationsschleifen über das Unterwegssein.

Es sind Gedichte über das Schlendern und Schauen mit größter Lust an Sprachfindungen und Wortwendungen - manch eine Formulierung könnte Dialekt oder aus einer Fachterminologie sein. Dazwischen wildspriessende Eigenschöpfungen und Klangmalerei. Hochmusikalisch und ein Augenschmaus: Jede Seite ist vom Autor mit eigenen Zeichnungen gestaltet, welche die Themen der Gedichte aufgreifen - zarte Gespinste und anspielungszeiche Motive. Manche erinnern an die Radiolarien von Ernst Haeckel, andere an das Naturalienkabinett von Albertus Seba.

Ein Buch, um darin wieder und wieder spazieren zu gehen!


ISBN 978-3-51842582-4 | 28 €

Wiederentdecktes

von Birgit Beutler

Dorothy Baker: Zwei Schwestern

Dieser Roman aus dem Jahr 1962 überrascht, wühlt auf und berührt so tief, wie sonst fast nur Musik vermag: dicht, schnell und elektrisierend im Wechsel mit zart leise und fein beobachtet im Kleinsten wie im ganz Großen. Ein Erzählrausch von sprachlicher Virtuosität um die Zwillingsschwestern Cassandra und Judith, die sich äußerlich ähneln wie ein Ei dem andern, doch im Wesen grundverschieden sind. Die beiden sind sehr eng zusammen aufgewachsen auf einer isolierten Farm in Montana, die Mutter ist früh verstorben, der Vater sorgt dafür, dass die Drinks nicht ausgehen...

Als Judith die symbiotische Bezieung der beiden verlässt, weil sie sich verliebt und heiraten will, löst sie damit eine Katastrophe aus mit ungeahnten Folgen - und ein packendes Psychodrama voll biblischer und mythologischer Symbolik nimmt seinen Lauf.


ISBN 978-3-423-14559-6 | 10,90 €

von Kathrin Hartmann

Susan Cheever: American Bloomsbury

Susan Cheevers "American Bloomsbury'" ist die spannende biographische Beschreibung der Gemeinde von Concord, Massachusettes in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts: Ralph Waldo Emerson, Henry David Thoreau, die Alcotts, Magaret Fuller und Nathaniel Hawthorne. Bei dieser aufschlussreichen aber angenehm leichten Lektüre erfährt man zum Beispiel, dass Thoreau beim Anzünden eines Lagerfeuers einen großen Teil des Waldes um Concord abfackelte, dass die Gruppe zwar aktiv gegen die Sklaverei kämpfte, ihre Ehefrauen aber (so das Gesetz) als ihr Eigentum betrachteten, und dass die Dichterin Anne Page ein Dinner der Alcotts verlassen musste, weil sie sich nicht offiziell bei dem Fisch bedankt hatte, den sie verspeiste.

Allesamt waren diese Harvard-Absolventen und selbsternannten Landwirte mit ihrer Feder erfolgreicher als mit dem Pflug, und ohne Emersons finanzielle Hilfe (das Erbe seiner Frau) wäre mancher Transzendentalist verhungert. Aber - und das beschreibt Cheever sehr feinfühlig - das ändert nichts an ihrer eindrucksvollen Beharrlichkeit in ihrem Streben nach "self-reliance", ihrer vorbildlichen Würdigung der Natur als einzige Autorität, und ihren Einfluss auf die amerikanische Lebensphilosophie.

Der Großteil der Pioniere, die zur gleichen Zeit auf der Suche nach Autonomie und unberührter Natur in den Westen zogen, waren Bauern. Leider erwähnt Cheever sie nicht. "Intellektuelle" haben zwar Amerika erfunden, aber Farmer haben Amerika gemacht.


ISBN 978-3-458-17707-4 | €24,-

Verspieltes

von Michaela Oeller

Kobi Yamada, Mae Bosom (Illustration): Was macht man mit einer Idee ?

Ein Kind bekommt eine Idee als Wegbegleiter. Die Idee wächst und mit ihr das Selbstbewusstsein des Kindes.

Leicht, phantasievoll sowie spielerisch erzählt die Kindergeschichte wie diese Idee sich verändert und damit die eigenene Wahrnehmung und das Handeln beeinflusst. in der Erzählung wird der Leser durch verschiedene Entwicklungsstufen der Idee, wie Zweifel, Motivation, Selbstkritik bis hin zur Ichstärkung geführt. Nicht zuletzt hin zu der Möglichkeit durch eine Idee die ganze Welt zu verändern.

Sowohl Kindern als auch Erwachsene, oder gemeinsam im Dialog gibt das Buch genügend Spielraum zum Nachdenken und Kreieren eigener Ideen.

Begleitet wird der Text durch kindgerechte, einfach, jedoch ausdrucksstarke Illustration, die sich im Laufe der Geschichte, wie auch die Idee verändert.


ISBN:978-3-942491-96-9 | 12,95 €

von Helena Dechentreiter

Lea-Lina Oppermann: Was wir dachten, was wir taten

Man geht in die Schule, gestresst, übermüdet. Setzt sich auf seinen Sitzplatz und hat eventuell sogar noch vergessen für die Klausur zu lernen. Aber wenn dann ein Alarm durch die Lautsprecher ertönt und es ist eindeutig nicht der Feueralarm, bist du hellwach. Die Klausurenblätter segeln durch die Luft auf den Tisch deines vor Angst schwitzenden Lehrers, denn auch der weiß nicht wie er mit einem Amoklauf umgehen soll. Ein paar Stunden später siehst du jeden einzelnen Menschen im Raum mit anderen Augen, hast andere Gedankengänge. Selbst der Geruch einer Dönerbude lässt dich zittern, aufgrund der Tatsache, dass Fleisch nicht nur des Verzehrs wegen verbrannt wird.

Lea-Lina Oppermann beschreibt aus der Sicht der Schüler und eines Lehrers, wie nur einige unfreundliche, abweisende Worte reichen können, um einen Menschen in ein Desaster zu reißen. Spannend, mit einem Hauch von Unzufriedenheit über unsere Gesellschaft!


978-3-407-82298-7 | 12,95 €

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