Winzerer Lesetipps - für Sie gelesen:

von Petra Schenk

H. D. Walden: Ein Stadtmensch im Wald

Mitten im Lockdown, genervt vom Home-Office und von der Großstadt, zieht sich ein Autor aufs Land zurück. Die Familie der Freundin verfügt über eine Hütte im brandenburgischen Ruppiner Land. Dort lernt der Städter seine Nachbar mehr und mehr kennen und schätzen: Meisen und Mäuse, Amsel- und Dompfaff-Familien, Igel und Waschbär. Gelegentlich streift ein räudiger Fuchs in der Nähe umher. Die Fütterung auf seiner Terrasse wird zum täglichen Ritual und immer umfangreicher: Säckeweise Vogelfutter und Grosspackungen Mehlwürmer, für den Waschbären zahllose Meisenknödel. Was den Charme des Buches ausmacht: Überraschende Begegnungen von Mensch und Tier, aber auch von Tier und Tier. Der Waschbär beispielsweise kommt immer zur gleichen Zeit (ist es immer derselbe?) und sollte er sich um nur wenige Minute verspäten, macht sich der Erzähler schon Sorgen. Er wird entschädigt durch dessen allabendlich zu beobachtende Akrobatik  - und diverse skurrile Verhaltensweisen der anderen Tiere. Obschon er wenig Ahnung von Flora und Fauna hat, geniesst er es zunehmend die Vielfalt der Typen und Charaktere unter den Besuchern auf dem Terassentisch. Er ist klug genug zu wissen, dass er manches davon viel zu menschlich interpretiert, und erzählt all das pointiert, mit viel Witz und, ja, Naturliebe!


ISBN 978-3-86971-242-0 | 14 €

Berührendes

von Michaela Oeller

Delphine de Vigan: Dankbarkeiten

 

Michka, eine gebildete, weltoffene und betagte Frau bemerkt, dass ihr mehr und mehr die Wörter entgleiten. Sie vergisst diese und ersetzt sie durch ähnlich klingende. Da sie früher mit Texten und deren Korrekturen gearbeitet hat, müht es sie sehr diese Tatsache anzunehmen.

Eines Tages hat sie das Gefühl nicht mehr aufstehen zu können und ruft Marie an, damit sie ihr zur Hilfe kommt. Marie hat in früheren Jahren, als Kind, schon viel Zeit mit Michka verbracht und ist ihr eine stetige Begleiterin gewesen. Nun organisiert sie für Michka die Aufnahme in einem Seniorenheim.

Es fällt der alten Frau, die immer unabhängig gelebt hat, schwer sich in das Reglement einzufügen. Mit Jérôme, dem Logopäden, der wöchentlich ins Seniorenheim kommt, versucht sie durch Übungen den Verlust der Wörter hinauszuzögern. Oft gibt sie ihm lebensphilosophische Ratschläge und ermuntert ihn.

Ein letztes Anliegen hat Michka, die sich auf das Ende ihrer Zeit vorbereitet, noch. Sie möchte noch einmal einen Versuch starten, das Ehepaar zu finden, dem sie ihr Leben zu verdanken hat. Marie und Jérôme unterstützen sie darin.

Eine humorvolle und zugleich berührende Geschichte, die uns spüren lässt, wie wichtig Zuneigung, Mitgefühl und Dankbarkeit im Umgang miteinander sind.           


ISBN:978-3-8321-8112-3 | 20 €

Fabio Geda: Ein Sonntag mit Elena

Ein verwitweter und etwas einsamer älterer Herr bereitet an einem Sonntag ein Mittagessen für seine Tochter und die beiden Enkelkinder vor. Nachdem die Familie in letzter Minute absagt, unternimmt er etwas enttäuscht einen Spaziergang durch die Straßen seiner Heimatstadt Turin. Auf der Parkbank eines Skaterparks lernt er eine Frau und ihren jugendlichen  Sohn kennen. Spontan lädt er die beiden zum Essen zu sich nach Hause ein. Diese Begegnung verändert das Leben der drei für immer.

Die Geschichte, aus Sicht einer seiner beiden Töchter erzählt, handelt vom Leben des weit gereisten Ingenieurs und leidenschaftlichen Brückenbauers, von seiner Familien in Turin und den. vielen kleineren und größeren Begebenheiten dazwischen.

Der warmherzige Roman weckt tiefe Empathie für seine Charaktere, schlägt Brücken zwischen den Generationen und den Protagonisten und erinnert uns schließlich an die Hoffnung, dass am Ende doch alles gut wird.



ISBN:978-3-446-26795-4 | 20 €

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